In den historischen „Mendelssohn-Städten“ Berlin und Hamburg sollen während der kommenden Jahre, als Vorbereitung zum 300. Geburtstag Moses Mendelssohns 2029, an Orten mit Aura und besonderer Vergangenheit kompetente, erfahrene, prominente Persönlichkeiten sprechen: über ihre eigene, heutige Auseinandersetzung mit den ästhetischen, existentiellen, wissenschaftlichen, religiösen, künstlerischen oder politischen Lebensthemen des Philosophen, Seidenkaufmanns und Emanzipationspioniers.

Der Titel der Lektionen zitiert sein letztes Werk „Morgenstunden. Vorlesungen über das Daseyn Gottes“ (1785).

Am 289. Geburtstag des Philosophen, den seine aufgeklärten Zeitgenossen in ganz Europa den „Juif de Berlin“ nannten, eröffnete Joachim Gauck, ehemaliger Bürgerrechtler, Theologe und Bundespräsident a.D., mit seinem Vortrag diese „Morgenstunden“-Reihe bei Sonnenuntergang: am 6. September 2018 in der Berliner Mendelssohn-Remise. Joachim Gauck sprach über Streitkultur und Toleranz. Die Rede zum Download.

Mendelssohn-Lektion II: Harald Welzer, Sozialpsychologe
"Die Gesellschaftsutopie für freie Menschen"
Do 29. 08. 2019, 19.00 Uhr
Panoramasaal der Katholischen Akademie, Herrengraben 4, 20459 Hamburg
Teilnahmegebühr: 10 €
programm@kahh.de
Tel. 040 – 36 95 20
Mit Unterstützung der Ilse und Dr. Horst Rusch-Stiftung

Mendelssohn-Lektion III: Bénédicte Savoy, Kunsthistorikerin
"Das Menschenrecht auf Erinnerung.
Warum unsere Kunstwerke uns erzählen müssen, wer wir sind".
Do 14. 11. 2019, 19:30 Uhr
Mendelssohn-Remise am Gendarmenmarkt, Jägerstraße 51, 10117 Berlin
Teilnahmegebühr: 10 €
reservierung@mendelssohn-remise.de oder Tel +4930 817047-26
Mit Unterstützung der Ilse und Dr. Horst Rusch-Stiftung

Mendelssohn-Lektion IV: Andrea Breth, Regisseurin
Dienstag 28. April 2020, 19.00 Uhr
Panoramasaal der Katholischen Akademie, Herrengraben 4, 20459 Hamburg
Teilnahmegebühr: 10 €
programm@kahh.de
Tel. 040 – 36 95 20

Mendelssohn-Lektion V: David Grossman, Schriftsteller
Herbst 2020 (angefragt)
Mendelssohn-Remise am Gendarmenmarkt, Jägerstraße 51, 10117 Berlin
Teilnahmegebühr: 10 €
reservierung@mendelssohn-remise.de oder Tel +4930 817047-26

Im 18. Jahrhundert hatten Protagonisten der heute in die Defensive geratenen Aufklärung (engl. Enlightenment, franz: Lumiére, hebr. Haskala) ihre Aufbruchsbewegung als Erleuchtung finsterer Zustände und allgemeiner Bewußtseinsverdunklung verstanden. Vor 275 Jahren war der unbegleitete 14jährige Zuwanderer Mausche mi Dessau in der preußischen Hauptstadt angekommen und nannte sich später Moses Mendelssohn. Als Emanzipationspionier zu Beginn der jüdisch-deutschen Geschichte inspiriert er mit dem, was ihn zeitlebens beschäftigt hat und mit seiner Leidenschaft für den Dialog, diese neue Vortragsreihe.

Der alternierende Lektions-Standort soll der geistigen Auseinandersetzung einen topographischen Rahmen verleihen. In der Mendelssohn-Remise beim Berliner Gendarmenmarkt, in dem ehemaligen Stammhaus der Mendelssohn-Bank; dann im Panoramasaal der Katholischen Akademie Hamburg (wo sich das Wohnhaus und das Bankkontor der Hamburger Mendelssohns befanden). Die Lektionen werden eröffnet durch einen kurzen "Musikalischen Dialog" und beendet mit Diskussion.

Kontakt / Information
für die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften: Prof. Dr. Conrad Wiedemann (conrad.wiedemann@berlin.de) und Ann-Christin Bolay (bolay@bbaw.de);
für die Mendelssohn-Gesellschaft Dr. Thomas Lackmann (thomas-lackmann@t-online.de);
für die Katholische Akademie Hamburg: Dr. Hans-Gerd Schwandt (schwandt@kahh.de);
für das Centrum Judaicum – Stiftung Neue Synagoge Berlin Dr. Anja Siegemund (A.Siegemund@centrumjudaicum.de; presse@centrumjudaicum.de.);
für das Institut für die Geschichte der deutschen Juden Anke Block (anke.block@igdj-hh.de)

Das Spektrum der Lektionen soll aus aktueller Perspektive von Aufgaben, Problemen und Überlegungen bestimmt werden, die Mendelssohn wichtig waren: Kooperation zwischen Religion und Vernunft, Trennung von Kirche und Staat, Gewissensfreiheit des Individuums; ebenso kaufmännisches Engagement, verbunden mit bürgerschaftlicher Verantwortung, Leidenschaft für deutsche Kultur, die deutsche Sprache und Vielsprachigkeit, die schönen Künste und Philosophie mit Alltagsbezug, Analyse der Ästhetik und der Gefühle, Vervollkommnung des Menschen durch Herzensbildung, die Übersetzung zwischen den Kulturen und angemessene Transformation der Tradition in die Gegenwart. Auch pluralistischer Dialog, anspruchsvolle Streitkultur und jene Friedensforschung, als deren Pionier in Deutschland der Hamburger Ordinarius und Institutsleiter Albrecht Mendelssohn Bartholdy (ein Ururenkel des Moses) bis zu seiner Flucht vor den Nationalsozialsten gewirkt hat, gehören zum Mendelssohn-Vermächtnis, das diesen Lektionen für die Gegenwart Hintergrund und Anregung gibt.